News | Nobel's Kommentar dazu...

5. Dezember, 2009

Elendsreportagen: Ein Widerspruch von Angebot und Nachfrage

Noch immer träumen viele junge Fotografen davon, mit ihren Fotografien beitragen zu können, das Gewissen der Menschen aufzurütteln und ihr Augenmerk auf Elend, Krieg und Sklaverei zu lenken. Das war und ist – so lautet auch meine Meinung – eine der vornehmsten Aufgaben des Fotojournalismus. Leider gibt es kaum noch den publizistischen Rahmen, in dem solche Bilder gedruckt werden. Gerade der Raum für ambitionierte und engagierte Reportagen ist in den großen Magazinen dieser Welt im letzten Jahrzehnt immer kleiner geworden. Denn die Abhängigkeit von der Werbebranche hat dazu geführt, dass die Magazine flurbereinigt wurden. Bloß keine Elendsfotos neben einer Anzeige für Designerkleidung oder Cornflakes, lautet die hinter Verlagsmauern unverhohlen ausgesprochene Devise.

Das signalisiert keine Konjunktur für die Fotografen von MAGNUM, Seven, NOOR, l’agenceVU und die vielen anderen, die sich mit ihren Projekten den Schattenseiten des Lebens verschrieben haben. Dabei kommen jährlich noch viele junge, erstklassige und inhaltlich sehr ambitionierte Fotografen hinzu. Um die wenigen Magazin-Seiten, die es für die Veröffentlichung solcher Themen überhaupt noch gibt, konkurrieren all die Sozial- und Kriegsfotografen dann gegeneinander mit Dutzenden solcher Reportagen. Bücher oder Ausstellungen bieten auch keine Alternativen, denn die dort zu erzielenden Honorare generieren kaum den geleisteten Aufwand, geschweige denn den Lebensunterhalt.

Längst haben viele der älteren Stars der Szene deshalb den teilweisen Rückzug aus der Fotografie angetreten, ohne es freilich offen auszusprechen. Aber wer sich mal genauer umschaut, der kann feststellen, dass viele der großen Fotojournalisten unserer Zeit mittlerweile mehr von den Einnahmen aus Vorträgen, Ausstellungen und vor allem Workshops leben, als von denen aus der Fotografie.


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