News | Nobel’s Kommentar dazu…
5. Dezember, 2009
photoscala.de: Die elektronische Tageszeitung für Fotografen

Dass wir übers Internet alle Informationen am schnellsten vermittelt bekommen, ist wohl jedem klar. Das gilt auch für die Meldungen rund um die Fotografie. Unter www.photoscala.de betreibt der Journalist Thomas Maschke meine am häufigsten genutzte Foto-Website. Ob Meldungen über neue Produkte, interessante Ausstellungen und Bücher, Fotopreise oder die Quartals-Ergebnisse der führenden Fotounternehmen, bei www.photoscala.de erfahre ich es in der Regel zuerst. Dank photoscala weiß ich, dass 2009 etwa 130 Millionen Digitalkameras verkauft wurden, oder erfahre, dass Rollei-Teile aus der Insolvenzmasse von Franke & Heidecke gerade bei Ebay versteigert werden. Daher habe ich mir angewöhnt, noch ehe ich das Haus verlasse, kurz einen Blick auf Maschkes Info-Seite zu werfen.
Einziger Wermutstropfen sind wie auf vielen Seiten die Leserkommentare. Das reicht vom geballten Nichtwissen bis zu Pöbeleien auf Hinterhof-Niveau. Wann kommt endlich die Führerscheinpflicht für Foren-Nutzer?
5. Dezember, 2009
Elendsreportagen: Ein Widerspruch von Angebot und Nachfrage
Noch immer träumen viele junge Fotografen davon, mit ihren Fotografien beitragen zu können, das Gewissen der Menschen aufzurütteln und ihr Augenmerk auf Elend, Krieg und Sklaverei zu lenken. Das war und ist – so lautet auch meine Meinung – eine der vornehmsten Aufgaben des Fotojournalismus. Leider gibt es kaum noch den publizistischen Rahmen, in dem solche Bilder gedruckt werden. Gerade der Raum für ambitionierte und engagierte Reportagen ist in den großen Magazinen dieser Welt im letzten Jahrzehnt immer kleiner geworden. Denn die Abhängigkeit von der Werbebranche hat dazu geführt, dass die Magazine flurbereinigt wurden. Bloß keine Elendsfotos neben einer Anzeige für Designerkleidung oder Cornflakes, lautet die hinter Verlagsmauern unverhohlen ausgesprochene Devise.
Das signalisiert keine Konjunktur für die Fotografen von MAGNUM, Seven, NOOR, l’agenceVU und die vielen anderen, die sich mit ihren Projekten den Schattenseiten des Lebens verschrieben haben. Dabei kommen jährlich noch viele junge, erstklassige und inhaltlich sehr ambitionierte Fotografen hinzu. Um die wenigen Magazin-Seiten, die es für die Veröffentlichung solcher Themen überhaupt noch gibt, konkurrieren all die Sozial- und Kriegsfotografen dann gegeneinander mit Dutzenden solcher Reportagen. Bücher oder Ausstellungen bieten auch keine Alternativen, denn die dort zu erzielenden Honorare generieren kaum den geleisteten Aufwand, geschweige denn den Lebensunterhalt.
Längst haben viele der älteren Stars der Szene deshalb den teilweisen Rückzug aus der Fotografie angetreten, ohne es freilich offen auszusprechen. Aber wer sich mal genauer umschaut, der kann feststellen, dass viele der großen Fotojournalisten unserer Zeit mittlerweile mehr von den Einnahmen aus Vorträgen, Ausstellungen und vor allem Workshops leben, als von denen aus der Fotografie.
