Jo Röttger kommt am 16. Dezember zu einem Vortrag nach Hannover

Den renommierten Fotografen Jo Röttger, ehemals Vertragsfotograf beim ZEITmagazin, habe ich zu einem Vortag am 16. Dezember um 16 Uhr in den Hörsaal des Design-Centers eingeladen.

Jo Röttger ist als Fotograf ein Überzeugungstäter. Neben den Aufträgen, mit denen er seinen Lebensunterhalt verdient, hat er in den Jahren seiner langjährigen Karriere immer wieder eigene Projekte realisiert. Obwohl er sich nach seinem Studium bei Ulrich Mack an der FH Dortmund einen Ruf als herausragender Fotojournalist erwarb, hat Jo Röttger besonders bei seinen eigenen Projekten immer auch andere Tasten auf der Klaviatur der Fotografie angeschlagen und ist zwischen den Genres Portrait, Essay und Dokumentarfotografie hin und her gewechselt, wie es gerade seiner Lust und seinem Interesse an der Fotografie entsprach. Dabei hat er die Kleinbildkamera gegen die Großformatkamera getauscht oder die Panoramakamera. Immer sind dabei interessante und faszinierende Arbeiten entstanden.

Jo Röttger

Um eine solche handelt auch Jo Röttgers Buch »Wilson’s World«, das gerade zur Frankfurter Buchmesse bei Peperoni Books erschienen ist. Dafür hat er den weltberühmten Theatermacher Robert Wilson auf seinem rastlosen globalen Flug begleitet. Im Watermill Center, Long Island, in seinem Apartment in New York, bei Vorbereitungen und Proben zu verschiedenen Inszenierungen in Warschau, Paris, Berlin und Taiwan, bei der Begegnung mit Derwischtänzern in Istanbul und Athen, bei der Eröffnung der VOOM Ausstellung in New York.

Es ist ein spannendes und fantastisch fotografiertes Buch entstanden, das nicht nur Theaterfreunde berührt.

Am Mittwoch, den 16. Dezember, wird Jo Röttger seine Arbeit im Hörsaal des Design-Centers in Hannover präsentieren. Dazu sind nicht nur die Studenten der FH-Hannover herzlich willkommen. Der Vortrag ist öffentlich und der Eintritt frei.

photoscala.de: Die elektronische Tageszeitung für Fotografen

photoscala

Dass wir übers Internet alle Informationen am schnellsten vermittelt bekommen, ist wohl jedem klar. Das gilt auch für die Meldungen rund um die Fotografie. Unter www.photoscala.de betreibt der Journalist Thomas Maschke meine am häufigsten genutzte Foto-Website. Ob Meldungen über neue Produkte, interessante Ausstellungen und Bücher, Fotopreise oder die Quartals-Ergebnisse der führenden Fotounternehmen, bei www.photoscala.de erfahre ich es in der Regel zuerst. Dank photoscala weiß ich, dass 2009 etwa 130 Millionen Digitalkameras verkauft wurden, oder erfahre, dass Rollei-Teile aus der Insolvenzmasse von Franke & Heidecke gerade bei Ebay versteigert werden. Daher habe ich mir angewöhnt, noch ehe ich das Haus verlasse, kurz einen Blick auf Maschkes Info-Seite zu werfen.

Einziger Wermutstropfen sind wie auf vielen Seiten die Leserkommentare. Das reicht vom geballten Nichtwissen bis zu Pöbeleien auf Hinterhof-Niveau. Wann kommt endlich die Führerscheinpflicht für Foren-Nutzer?

Elendsreportagen: Ein Widerspruch von Angebot und Nachfrage

Noch immer träumen viele junge Fotografen davon, mit ihren Fotografien beitragen zu können, das Gewissen der Menschen aufzurütteln und ihr Augenmerk auf Elend, Krieg und Sklaverei zu lenken. Das war und ist – so lautet auch meine Meinung – eine der vornehmsten Aufgaben des Fotojournalismus. Leider gibt es kaum noch den publizistischen Rahmen, in dem solche Bilder gedruckt werden. Gerade der Raum für ambitionierte und engagierte Reportagen ist in den großen Magazinen dieser Welt im letzten Jahrzehnt immer kleiner geworden. Denn die Abhängigkeit von der Werbebranche hat dazu geführt, dass die Magazine flurbereinigt wurden. Bloß keine Elendsfotos neben einer Anzeige für Designerkleidung oder Cornflakes, lautet die hinter Verlagsmauern unverhohlen ausgesprochene Devise.

Das signalisiert keine Konjunktur für die Fotografen von MAGNUM, Seven, NOOR, l’agenceVU und die vielen anderen, die sich mit ihren Projekten den Schattenseiten des Lebens verschrieben haben. Dabei kommen jährlich noch viele junge, erstklassige und inhaltlich sehr ambitionierte Fotografen hinzu. Um die wenigen Magazin-Seiten, die es für die Veröffentlichung solcher Themen überhaupt noch gibt, konkurrieren all die Sozial- und Kriegsfotografen dann gegeneinander mit Dutzenden solcher Reportagen. Bücher oder Ausstellungen bieten auch keine Alternativen, denn die dort zu erzielenden Honorare generieren kaum den geleisteten Aufwand, geschweige denn den Lebensunterhalt.

Längst haben viele der älteren Stars der Szene deshalb den teilweisen Rückzug aus der Fotografie angetreten, ohne es freilich offen auszusprechen. Aber wer sich mal genauer umschaut, der kann feststellen, dass viele der großen Fotojournalisten unserer Zeit mittlerweile mehr von den Einnahmen aus Vorträgen, Ausstellungen und vor allem Workshops leben, als von denen aus der Fotografie.

Vertrag ist unterschrieben, das Festival steigt!

Fassadenplakat

Der Vertrag mit dem Elektronikkonzern Panasonic über die finanzielle Beteiligung am Lumix Festival ist unterschrieben. Damit ist die Finanzierung des 2. Lumix Festivals für jungen Fotojournalismus, das wir an der FH Hannover vom 16. bis 20. Juni 2010 durchführen, gesichert. An 5 Tagen im Juni werden erneut 60 herausragende Reportagen, Essays und Serien von jungen Fotojournalisten und Fotostudenten aus aller Welt gezeigt werden. Die beste Arbeit bekommt den FreeLens Award, dessen Preissumme für die Siegerarbeit auf 10.000 Euro erhöht wurde. Austragungsort werden das Design-Center auf der Expo Plaza und mehrere Pavillons sein.

Neben dem Ausstellungsprogramm laden wir erneut acht herausragende Fotografen nach Hannover ein. Die erste Zusage liegt bereits vor: Ernesto Bazan, italienischer Fotograf mit Wohnsitz in Mexico, wird uns seine Arbeit über Kuba zeigen. Auf dem New York Photo Festival war sein wunderbares Buch »Cuba« Gewinner in der Kategorie Photographic Book. 14 Jahre hat der Sizilianer an seinem Buch gearbeitet, das ausschließlich Schwarzweiß-Fotografien enthält. Bazans Bilder sind nicht im Stil klassischen Fotojournalismus´ aufgenommen, sondern Grenzgänger. Kein reiner Fotojournalismus, aber auch keine reine Kunst, ein wenig mystisch und abstrakt, aber immer faszinierend.

Wer schon mal schauen will, was ihn von Ernesto Bazan erwartet: www.visuramagazine.com/vm/ernesto-bazan oder www.bazancuba.com.

Auch die Festivalseite erblüht langsam wieder zu neuem Leben: www.fotofestival-Hannover.de