Au weia, arte!
Geschrieben am 4 Dezember, 2011 um 14:39, von admin
Jetzt hat auch der Kultursender arte das Format Casting-Show für sich entdeckt. Wie es sich für einen Sender mit Anspruch gehört, geht es dabei nicht einfach um das gute Aussehen oder die schöne Stimme der Kandidaten. Nein, es muss kulturell wertvoller daher kommen. Also kamen die Programmgestalter, die sich in einer Programmreform für die Zukunft eine populärere Ausrichtung verordnet haben, die „freundlicher, emotionaler und zugänglicher“ sein soll, auf das Medium Fotografie. In fünf Sendungen durften sich 6 junge „Nachwuchstalente“ in Paris zu einer „Masterclass“ einfinden. Der ehemalige Benetton-Werber Oliviero Toscani sollte ihnen an fünf Tagen entscheidende Impulse für ihre weitere Laufbahn geben. Der „Che der Werbung“ (arte-O-Ton) erwarte „eine neue Generation von Fotografen“ und er fügt hinzu: „Die werden bestimmt mal berühmter als ich.“ Um dann aber gleich darauf selbst lauthals über die eigene Aussage zu lachen. Das tut er im Verlauf der weiteren Folgen nach eigenen Statements und Bemerkungen noch diverse Male. Da kommen erste Zweifel auf, dass Toscani das ganze selbst so ganz ernst nimmt.
Schon bald merkt der kritische Zuschauer, dass artes Casting-Show zwar wesentlich netter daherkommt, als die Vorbilder der Privatsender, denn richtig demontiert wird hier glücklicherweise niemand – aber Casting-Show bleibt Casting-Show. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die jungen „Talente“ nicht nach ihren fotografischen Fähigkeiten ausgewählt wurden, sondern vor allem nach ihrer Fernsehkompatibilität und dem Wunsch, eine bestimmte Gruppendynamik zu erzeugen. Da gibt es den pubertierenden Dummquatscher in Person des Suchart Wannaset, der mit Matrosen-Kragen und hohen Schnürstiefeln planlos in der Gegend rumknipst. Phasenweise erinnert er mit seinem affektierten und inhaltsleeren Gerede an den unseligen Daniel Küblböck aus „Deutschland sucht den Superstar“. Die kokette Französin Coline Sentenac-Moise mutet an wie eine Mischung aus den Hauptdarstellern in »Die wunderbare Welt der Amelie« und »Lolita«. Egal wie unpraktisch, immer stakst sie im ultrakurzen Minirock durch die Location. Der Dortmunder Christian Kuhn verließ den Big-Brother-Container – Verzeihung – das Photo-for-Life-Studio schon nach der ersten Folge. Als etwas arroganter und selbstgefälliger Jungstar mit szenegerechter Baseballcap hätten ihn die Zuschauer ohnehin bald rausgewählt, wenn man denn wie bei Big Brother jemanden würde rauswählen können. Der Franzose Matthieu Cheneby besetzt die Rolle des sensiblen Künstlers, der unter seinem modischem Pork-Pie-Hut häufig etwa weltentrückt und verträumt aussieht. Wie sich ein Fernsehregisseur halt einen Künstler vorstellt, der laut seiner Kurzvita auf arte vorher eigentlich Tänzer und Zirkusartist werden wollte. Vermisst habe ich in diesem Zusammenhang nur den Hinweis im Abspann, welche Klamottenfirma die Fotogruppe ausgestattet hat.
Was Toscani den jungen Fotografen in seinen Statements kommentierend und wertend mitgibt, ist teils Binsenweisheit, teils überspitzt („Ein Künstler, der nicht schockiert, ist kein Künstler“), aber fast immer eine völlig irreale Berufsrealität vorgaukelnd. Das mag ja die Welt von Toscani sein, die Welt der meisten meiner Berufskollegen ist es nicht. Traurig ist dabei nur, dass arte damit tausenden von Flickr- und Fotocommunity-Knipsern Sand in die Augen streut und ein Berufsbild an die Wand malt, das fernab der Wirklichkeit ist. Damit wird wohl auch in den nächsten Jahren der Fotograf weit oben auf der Berufswunsch-Hitliste stehen.
3. Lumix Festival vom 13.-17. Juni 2012
Geschrieben am 12 April, 2011 um 21:56, von Rolf Nobel
Das Lumix Festival für jungen Fotojournalismus wird 2012 zum dritten Mal stattfinden. Darin kamen der Ausrichter des Festivals, der Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Fachhochschule Hannover und der japanische Kamerahersteller Pansasonic, Hauptsponsor des Festivals, überein.
Das Lumix Festival veranstaltet die Fachhochschule Hannover gemeinsam mit dem Fotojournalisten-Verband FreeLens. Es soll die Vielfalt der journalistischen Reportagefotografie in Themen und Stilen demonstrieren und eine Leistungsschau des jungen Fotojournalismus sein. Bewerben können sich für das Ausstellungsprogramm junge Fotojournalisten bis zum Alter von 35 Jahren. Die beste Arbeit des Festivals wird von einer hochkarätigen Jury mit dem FreeLens Award ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Daneben verleiht Panasonic für die beste Multimedia-Reportage den Lumix Award in Höhe von 5.000 Euro. Auch für diesen Wettbewerb ist das Höchstalter 35 Jahre.
Umrahmt werden die 60 ausgestellten Fotoserien und die Multimedia-Reportagen von einem umfangreichen Vortragsprogramm, zu dem u.a. erneut acht international bekannte Fotografen eingeladen werden und einer Fototechnik-Schau.
Austragungsort des 3. Lumix Festivals ist das hannoversche Expo-Gelände. Die Ausstellungen sind in mehreren der futuristischen Weltausstellungs-Pavillons untergebracht. Meeting-Point und Zentrum des Festivals ist das Design-Center, Heimat der hannoverschen Fotostudenten. Nach dem sensationellen Echo auf die Premiere 2008 und die Fortsetzung 2010 rechnen wir für 2012 mit weiteren Rekorden bei den Zahlen der Bewerber und Festivalbesucher.
Die Eröffnung des Festivals ist am Mittwoch, den 13. Juni. Enden wird das Festival wie immer am darauffolgenden Sonntag. Die Abschlussfeier mit der Verleihung des FreeLens Award und des Lumix Multimedia Award findet am Samstag, den 16. Juni statt.
Ausstellung und Buch »Den Menschen den Menschen erklären. 10 Jahre Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aus Hannover«
Geschrieben am 30 Dezember, 2010 um 19:21, von Rolf Nobel
Seit gut 10 Jahren lehre ich nun Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover, entgegen dem bundesweiten Trend an den Fachhochschulen. Grund genug, mit einer großen Ausstellung und einem Bildband eine erste Bilanz zu ziehen.
Es ist eine Anthologie, eine Blütenlese also, die Lesern und Ausstellungsbesuchern von dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie ab dem 11. März geboten wird. 10 Jahre, das ist eine lange Zeit, etwa sechs Studentengenerationen lang. Und zehn Jahre hat es auch gedauert, bis die Ausbildung an der FH Hannover jetzt das richtige Etikett erhielt. Bis dato firmierte man wie so viele deutsche Hochschulen auch in Hannover unter der ungenauen Bezeichnung Fotografie.
Mittlerweile ist der Studiengang Erfolgsmodell und Vorzeigefach. Unsere Studenten gewinnen Preise und Auszeichnungen fast im Wochentakt. Zahlreiche Unternehmen, Stiftungen und Redaktionen lassen Bücher, Broschüren und Geschichten von hannoverschen Studenten fotografieren. Und mit dem Lumix Festival für jungen Fotojournalismus, das 2012 zum dritten Male stattfinden wird, hat der Studiengang in Zusammenarbeit mit der Fotojournalisten-Vereinigung FreeLens einen Sensationserfolg errungen, das für viele in der Bilderbranche schon zu den Pflichtbesuchen unter den internationalen Fotofestivals gehört.
Austellung und Buch mit dem Titel »Den Menschen den Menschen erklären«, der sich an ein Zitat des Fotografen und MoMa-Kurators Edward Steichen anlehnt, geben den ersten 10 Jahren Fotojournalismus-Studium in Hannover ein fotografisches Gesicht. Insgesamt 46 Fotografinnen und Fotografen sind vertreten. Ihre Fotos zeigen Ausschnitte aus 64 Serien und Reportagen. Sie führen uns von Orten vor der eigenen Haustür bis in die entlegendsten Flecken der Welt, etwa in Daniel Pilars Buch-Reportage über New Hanover Island im Bismarck Archipel von Neu-Guinea oder in Eileen Rahns Diplomarbeit über die Südsee-Insel Nauru.
Das 288 Seiten starke Buch zeigt in seinen Fotos die wundersame Kraft, die dem Fotojournalismus auch nach etwa hundert Jahren Geschichte in Ausstrahlung und Wirkung nicht verloren gegangen ist. Die Bandbreite an formalen Lösungen und Themen ist groß. Mal technisch präzise und fast sezierend wie in Stefan Krögers Diplomarbeit »Hanover, New Hampshire«, dann wieder umwerfend komisch wie in Julia Zimmermanns Oktoberfest-Bild, in dem zwei Besucher knutschen, einer sich übergibt und ein anderer auf die Wiese pinkelt. Es gibt weder Drama, Skurrilität, Schönheit, Ritual, Poesie oder Komik, die in den Fotos der Fotostudenten nicht eine Entsprechung finden würde. Dabei haben die Studenten auch formal alle Möglichkeiten ausgenutzt, die das Credo des Fotojournalismus, den Inhalt über die Form zu stellen, zulässt.
»Den Menschen den Menschen erklären - Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aus Hannover«. Ausstellungseröffnung und Buchvorstellung am Donnerstag, den 10. März 2011 um 17 Uhr, Design-Center Hannover, Expo Plaza 2. Die Ausstellung ist vom 11. März bis zum 8. April montags bis freitags von 9 Uhr bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Zurück bei VISUM
Geschrieben am 23 November, 2010 um 20:10, von Rolf Nobel
Nach etwa einem Jahr Abwesenheit bin ich jetzt zu meiner alten Agentur VISUM zurückgekehrt, deren Mitglied ich fast 20 Jahre lang war. Nach und nach werden meine Bilder und Reportagen wieder auf der Seite der Hamburger Agentur erscheinen, sowie neues Material.
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