Ausstellung und Buch »Den Menschen den Menschen erklären. 10 Jahre Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aus Hannover«
Seit gut 10 Jahren lehre ich nun Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover, entgegen dem bundesweiten Trend an den Fachhochschulen. Grund genug, mit einer großen Ausstellung und einem Bildband eine erste Bilanz zu ziehen.
Es ist eine Anthologie, eine Blütenlese also, die Lesern und Ausstellungsbesuchern von dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie ab dem 11. März geboten wird. 10 Jahre, das ist eine lange Zeit, etwa sechs Studentengenerationen lang. Und zehn Jahre hat es auch gedauert, bis die Ausbildung an der FH Hannover jetzt das richtige Etikett erhielt. Bis dato firmierte man wie so viele deutsche Hochschulen auch in Hannover unter der ungenauen Bezeichnung Fotografie.
Mittlerweile ist der Studiengang Erfolgsmodell und Vorzeigefach. Unsere Studenten gewinnen Preise und Auszeichnungen fast im Wochentakt. Zahlreiche Unternehmen, Stiftungen und Redaktionen lassen Bücher, Broschüren und Geschichten von hannoverschen Studenten fotografieren. Und mit dem Lumix Festival für jungen Fotojournalismus, das 2012 zum dritten Male stattfinden wird, hat der Studiengang in Zusammenarbeit mit der Fotojournalisten-Vereinigung FreeLens einen Sensationserfolg errungen, das für viele in der Bilderbranche schon zu den Pflichtbesuchen unter den internationalen Fotofestivals gehört.
Austellung und Buch mit dem Titel »Den Menschen den Menschen erklären«, der sich an ein Zitat des Fotografen und MoMa-Kurators Edward Steichen anlehnt, geben den ersten 10 Jahren Fotojournalismus-Studium in Hannover ein fotografisches Gesicht. Insgesamt 46 Fotografinnen und Fotografen sind vertreten. Ihre Fotos zeigen Ausschnitte aus 64 Serien und Reportagen. Sie führen uns von Orten vor der eigenen Haustür bis in die entlegendsten Flecken der Welt, etwa in Daniel Pilars Buch-Reportage über New Hanover Island im Bismarck Archipel von Neu-Guinea oder in Eileen Rahns Diplomarbeit über die Südsee-Insel Nauru.
Das 288 Seiten starke Buch zeigt in seinen Fotos die wundersame Kraft, die dem Fotojournalismus auch nach etwa hundert Jahren Geschichte in Ausstrahlung und Wirkung nicht verloren gegangen ist. Die Bandbreite an formalen Lösungen und Themen ist groß. Mal technisch präzise und fast sezierend wie in Stefan Krögers Diplomarbeit »Hanover, New Hampshire«, dann wieder umwerfend komisch wie in Julia Zimmermanns Oktoberfest-Bild, in dem zwei Besucher knutschen, einer sich übergibt und ein anderer auf die Wiese pinkelt. Es gibt weder Drama, Skurrilität, Schönheit, Ritual, Poesie oder Komik, die in den Fotos der Fotostudenten nicht eine Entsprechung finden würde. Dabei haben die Studenten auch formal alle Möglichkeiten ausgenutzt, die das Credo des Fotojournalismus, den Inhalt über die Form zu stellen, zulässt.
»Den Menschen den Menschen erklären - Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aus Hannover«. Ausstellungseröffnung und Buchvorstellung am Donnerstag, den 10. März 2011 um 17 Uhr, Design-Center Hannover, Expo Plaza 2. Die Ausstellung ist vom 11. März bis zum 8. April montags bis freitags von 9 Uhr bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.
