Artikel getaged ‘Fotojournalisten’
25. Januar, 2010
Festivalkalender füllt sich
Nachdem Anfang Januar die heiße Phase der Vorbereitung des 2. Lumix Festivals für jungen Fotojournalismus (16. bis 20. Juni 2010) begonnen hat, füllt sich allmählich der Festivalkalender.
Mit Carolyn Drake, Ernesto Bazan, Ed Kashi und David Burnett haben die ersten vier der insgesamt acht hochkarätigen Vortragsgäste zugesagt.
Die 38jährige Amerikanerin Carolyn Drake hat diverse Preise für ihre Arbeit erhalten, darunter 2008 den World Press Award für eine Geschichte über die Kohleindustrie der Ukraine. Sie lebt in Istanbul und Schauplatz ihrer Reportagen ist häufig Zentralasien.
Ed Kashi zählt zu den Pionieren der Fotografie im Internet und er hat maßgeblichen Anteil an der Entwicklung eigener Erzählweisen in Multimedia. Daneben ist Ed Kashi aber auch ein hervorragender Fotograf, zu dessen Kunden National Geographic, New York Times Magazine, Geo und Time Magazine gehören.
Ernesto Bazan stammt aus Italien und ist ein fotografischer Vagabund. Er hat lange in New York gelebt, danach 14 Jahre lang auf Kuba und lebt zurzeit in Mexiko. Die gesammelten Bilder aus Kuba haben ihm im letzten Jahr den Preis für das schönste Fotobuch des Jahres auf dem New York Photo Festival eingebracht. Doch schon vorher hat der 50jährige zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit erhalten, darunter den World Press Award und den Eugene Smith Grant.
David Burnett ist ein alter Haudegen des Fotojournalismus und spielt auf der Klaviatur des Mediums wie kaum ein zweiter. Er hat Senator Ted Kennedy ebenso fotografiert wie Bob Marley, Sport wie Politik, Landschaft wie Portrait. Und das alles mit Kleinbild, Mittelformat und Großformat. Als Fotograf hat er Geschichte geschrieben und er hat sie auch fotografiert, u.a. alle US-Präsidenten der letzten Jahrzehnte: Barack Obama, Ronald Reagan, Lyndon B. Johnson, Richard Nixon, Jerry Ford, Jimmy Carter, Bill Clinton, George Bush. Für sein umfassendes Werk hat David Burnett viele Preise bekommen, darunter den World Press Award und den Robert Capa Award.
Auch die Zahl der Bewerber für eine der insgesamt 60 Ausstellungspätze des Lumix Festivals wächst weiter an. Knapp einen Monat vor Ablauf der Bewerbungsfrist sind es schon 290 und es ist zu erwarten, dass die Bewerberzahl von rund 430 aus dem Jahre 2008 weit übertroffen wird. Rekordverdächtig ist schon jetzt die Zahl der 55 Länder, in denen die Bewerber beheimatet sind. Bei der Premiere des Festivals immJahre 2008 waren es noch 21.
Mehr infos unter www.fotofestival-hannover.de
22. Januar, 2010
Eine Renaissance der Kooperativen?
In den 80er Jahren nahm die Zahl der Zusammenschlüsse von Fotografen zu Kooperativen, Fotografenagenturen und Fotografen-Büros derart zu, dass selbst Kenner der Szene schon mal den Überblick verlieren konnten. Die Vorteile dieser Zusammenschlüsse liegen auf der Hand. Man konnte sich z.B. einen Teil der teuren Ausrüstung teilen. Blitzanlage, Dunkelkammer, Diaprojektor, Studioequipment, das alles brauchte man nur einmal und meistens besaß einer der Fotografen etwas von diesen Gerätschaften, die dann alle nutzen konnten. Und konnte einer der Fotografen einen Auftrag nicht annehmen, weil er an diesem Tag schon von einem anderen Kunden gebucht war, dann gelang es ihm nicht selten, diesen Job an einen Büro-Kollegen zu vermitteln. Denn hatte die Kooperative bei den Auftraggebern einen guten Ruf, dann war es dem Kunden oftmals egal, wer den Auftrag erledigte. Hauptsache, er war vom Tisch. Daneben konnten junge Fotografen in diesen Kooperativen die Phase der intensiven Auseinandersetzung mit der Fotografie, die nach dem Studium zumeist vorbei ist, im professionellen Alltag mit den Kollegen im Büro fortsetzen. So profitierten alle von der Gemeinschaft.
Anfang der 90er begann dann langsam die Auflösung vieler dieser Fotografen-Kooperativen. Über die Ursachen kann man nur spekulieren. War es die allgemeine Flucht in die Individualität, war es der Kostendruck des Mietanteils für das Büro oder war es einfach nur vorbei mit der Wohngemeinschaftsphase, wie es bei vielen jungen Leuten irgendwann einmal der Fall ist?
Augenblicklich, so scheint es, kommt die Zusammenarbeit in Kooperativen und Büros wieder in Mode. Jedenfalls ist es an meiner Hochschule der Fall. Innerhalb nur eines Jahres haben sich Studenten und Ex-Studenten der FH-Hannover gleich in vier Gruppen zusammengeschlossen.
Unter dem Namen »2470media« (nach dem populärsten Zoom-Objektiv in der Reportagefotografie benannt) haben sich vier Studenten zu einer GmbH zusammengefunden, die sich der Fotografie im Internet verschrieben haben. Sie produzieren, unter Einbeziehung von Kommilitonen, Multimedia-Reportagen mit journalistischem Charakter. Alle vier Gesellschafter – Anna Jockisch, Michael Hauri, Daniel Nauck und Shooresh Fezoni sind noch Studenten. Dennoch war das Konzept ihrer Unternehmensgründung offenbar so überzeugend, dass sich die niedersächsische N-Bank dazu entschlossen hat, die Firmengründung mit einem Startkapital zu fördern. Noch namenlos ist die Bürogemeinschaft von Daniel Pilar, Christian Burkert, Helge Krückeberg, Michael Löwa und Franz Bischof. Ein stilvolles Büro in Hannover ist bereits bezogen und gegenwärtig läuft der komplizierte Prozess der Namensfindung. Bis auf Franz Bischof haben alle Mitglieder ihr Foto-Diplom längst in der Tasche, Franz Bischof ist kurz davor. »Kollektiv25« nennt sich der Zusammenschluss von Lucas Wahl, Lene Münch, Florian Manz und Julius Schrank. Sie wollen von verschiedenen Orten aus arbeiten, aber einen regen Austausch pflegen. Ihre wunderschöne Website geht demnächst ans Netz. »enarro« nennt sich die Gruppe von Milos Djuric, Andy Spyra, Maria Irl und Fabian Brenneke, was soviel wie »bis zu Ende erzählen« bedeutet und auf den erklärten Willen zum Geschichtenerzählen hinweist. Mit im Boot, so sagt die Website enarro.org, sind auch drei schreibende Journalisten.
Es bleibt abzuwarten, ob diese massive Gruppenbildung nur eine hannoversche Ausprägung ist, oder ob sie einen neuen Trend aufzeigt. Eines aber erreichen die Fotografen damit in jedem Fall: Der Individualisierung in ihrem Berufsfeld setzen sie das Kollektiv entgegen und der Weiterentwicklung ihrer jungen Fotografen-Persönlichkeiten kann dies nur förderlich sein.

