Fotolehrer | Workshops – wie gelaufen?

»Erzählen in Bildern« im »Künstlerhaus Spiekeroog«, Februar 2010

Vom 22. Bis 26. Februar 2010 habe ich auf der Nordseeinsel Spiekeroog einen Workshop unter dem Titel »Erzählen in Bildern« durchgeführt. Austragungsort der 5-tägigen Veranstaltung war das »Künstlerhaus Spiekeroog«. Das Künstlerhaus wurde von dem Bremer Reeder Niels Stolberg (Beluga Shipping) 2007 errichtet und bietet mit seinen zahlreichen Ateliers und einem Medienraum Platz für jährlich über 160 Workshops in verschiedenen kreativen Disziplinen.

»Erzählen in Bildern« bedeutet im Klartext Reportagefotografie. Dazu hatte das Künstlerhaus für jeden der 14 Teilnehmer einen Inselbewohner gebeten, sich während 3 Tage in seinem Arbeitsalltag fotografieren zu lassen. Ein Tag war der Einführung in die Reportagefotografie gewidmet. Dazu habe ich versucht, den Teilnehmern die Gesetze des Geschichtenerzählens in Bildern zu vermitteln. Anschließend haben Beispiele verschiedener Reportagen die Theorie veranschaulicht. Der letzte Tag war dem Editing, der Präsentation und Schlusskorrektur vorbehalten.

Obwohl nur ein Teilnehmer professioneller Fotograf war, konnten die Ergebnisse am Ende des Workshops überzeugen. Jeder der Teilnehmer hatte verstanden, worauf es beim Storytelling mit der Kamera ankommt. Deutlich wurde das beim abschließenden Komponieren der Geschichten mit Arbeitsprints im Format DinA4. Die Berücksichtigung der Elemente wie Roter Faden, Einstieg, Ausstieg, Rhythmus usw. wurden von den Teilnehmern in der gemeinsamen Diskussion immer wieder angemahnt und flossen in die Komposition der einzelnen Reportagen ein.

Ich würde mich freuen, wenn die Teilnehmer mitbekommen haben, dass Reportagefotografie kein fotografisches Arbeitsfeld ist, das ausschließlich professionelle Anwendung finden muss. Leider wird es von der organisierten Amateurfotografenschaft völlig vernachlässigt, die stattdessen seit Jahrzehnten den immer gleichen abgegriffenen und stereotypen Einzelbildern hinterherjagt. Dabei geschehen in jedem Ort unseres Landes Dinge, die es wert wären, in Geschichten festgehalten zu werden. Sei es die Schließung eines wirtschaftlich bedeutenden Unternehmens und dessen letzte Wochen der Produktion, sei es die Veränderung eines traditionellen Stadtviertels oder das Vereinsleben im Ort.

Die nachfolgende Serie (nur ein Ausschnitt aus der ganzen Reportage) zeigt die Arbeit des Berliner Malers Andreas Schillers während seines Workshops im »Künstlerhaus Spiekeroog« und wurde von Karsten Klama fotografiert.

Matthias Rathje fotografierte die Reportage über Stefan Krummreich, Hausmeister der Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog. Auch hier sind die folgenden Bilder nur ein Ausschnitt der ganzen Geschichte, die mit insgesamt 10 Fotos präsentiert werden musste.


dju-Workshop im Juli 2009

Mitte Juli 2009 fand im Design-Center mein erster Workshop für die Deutsche Journalisten Union (dju) in ver.di statt. Das Thema war »Die Reportage«. Der Workshop war überbucht und die Teilnehmerzahl musste auf 16 begrenzt werden, da ich sonst keine vernünftige Betreuung hätte garantieren können.

Ein Teil der Teilnehmergruppe (Foto: Marijan Murat)

Ein Teil der Teilnehmergruppe (Foto: Marijan Murat)

Die Gruppe war in ihrer Zusammensetzung sehr heterogen. So waren Teilnehmer darunter, die bereits sehr erfolgreich ihre Brötchen mit journalistischer Fotografie verdienen und andere, die bislang eher am Rande mit Fotografie zu tun hatten. Daneben noch zwei angehende Fotostudenten.

Die Aufgabenstellung war für alle gleich. Jeder Teilnehmer sollte in der Woche einen Menschen im Kontext mit seiner beruflichen Tätigkeit fotografieren. Um ein besseres Verständnis des Themas zu erreichen, zeigte ich im Vorfeld vier kleine Reportagen der New York Times aus ihrer Crossmedia-Produktion »One In Eight Million«. Jede Woche wird auf der Internet-Seite der New York Times eine sehr lebendig fotografierte 2-Minuten-Reportage über einen x-beliebigen New Yorker veröffentlicht, der dazu aus seinem Leben erzählt. Über einen längeren Zeitraum hinweg entsteht so ein spannendes Bild der Menschen in dieser Stadt.

Abschließende Präsentation und Bildbesprechung anhand von DinA4-Laserprints (Foto:Jörg Volland)

Abschließende Präsentation und Bildbesprechung anhand von DinA4-Laserprints (Foto:Jörg Volland)

Doch bevor sich die Teilnehmer des Workshop aufmachten, um in Hannover einen geeigneten und bereitwilligen Protagonisten zu finden, wurden ihnen die Basics einer Reportage nahe gebracht. Wie erzählt man eine Reportage aus, was ist der Rote Faden, wie stellt man Rhythmus her, was versteht man unter inhaltlichen und formalen Redundanzen, wie muss ein guter Einstieg, wie ein guter Ausstieg aussehen, was meinen die Amis mit »establishing the place«?<

Nach Beginn der eigentlichen Fotoarbeit wurden die Fotos täglich in gemeinsamen Gesprächen korrigiert und so sukzessive die Geschichte entwickelt. Am Ende der Woche wurden die fertigen Ergebnisse als Laserdrucke geprintet und präsentiert und während einer Endbesprechung abschließend kommentiert.

Obwohl die Voraussetzungen unter den Teilnehmern sehr unterschiedlich waren, kam doch bei allen ein erstaunlich gutes Ergebnis heraus. Der Workshop findet wegen der großen Nachfrage in 2010 erneut statt (siehe unter Workshops | noch zu buchen).

Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle einige Arbeiten ausschnitthaft präsentieren.

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Aus Jörg Volland's Reportage »Kaffeeröster«

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Aus Marijan Murat's Reportage »Tiermedizin-Student«

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Aus Werner Bachmeier's Reportage »Dreher«

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