Reportagen & Essays | Deutschland

Viele Jahre bin ich als Fotojournalist im Schweinsgalopp durch die Welt gereist, um sie für Magazine möglichst illustrativ abzubilden. Jetzt habe ich mir Zeit genommen, mein eigenes Land zu fotografieren. Ohne Erwartung von Redakteuren, ohne Zeitdruck. Niemandem bin ich dabei verpflichtet.
Diese Land hat sich in den Jahren nach der Wende gravierend verändert. Kein Schaufenster eines besseren Systems muss es mehr abgehen, denn es gibt nach dem Ende der DDR keinen Mitbewerber mehr. In unserem Land sind wieder Dinge möglich, die ich schon längst auf dem Abfallhaufen der Geschichte wähnte.
Meine fotografische Reise durch Deutschland – die noch immer anhält – ist zu einer Auseinandersetzung mit der Heimat geworden. In einer Zeit, in der fast widerstandslos soziale Errungenschaften demontiert werden und selbst die Grünen nur noch Macht und Pöstchen im Auge haben, sich Kultur Größtenteils auf dem Niveau von »Dschungelcamp« und »Deutschland sucht den Superstar« abspielt und sich Journalisten nicht einmal mehr trauen, Fußballtrainern Kritische Fragen zu stellen, fällt mir ein Blick auf die »Schokoladenseite« Deutschlands schwer.
So formt meine Sicht darauf, wie wir Deutschen leben, wie wir feiern, wie wir mit den Alten, den Ausländern, Krankheit, Sex, Sport, Politik und Brauchtum umgehen und wie wir dieses Land gestalten, vielleicht ein zu tristes und graues Bild. Ich möchte es nur allzu gern glauben


  • In eigener Sache